Auch wenn in den letzten beiden Jahrzehnten an guten und exzellenten Jahrgängen kein Mangel herrschte, erhielt wohl kaum einer dieser Jahrgänge so viele Vorschusslorbeeren wie 2009. Die Gründe dafür waren vor allem ein recht homogener Witterungsverlauf im Sommer und ein geradezu idealer Herbst, der den meisten Produzenten in Deutschland perfekte Lesebedingungen bescherte. Von einer völlig entspannten Lese war die Rede, oft auch von einer für die meisten Winzergenerationen, die in den Betrieben heute die Verantwortung tragen, noch nie gesehenen Traubenqualität. Die Erwartungen an die Spitzenweine der deutschen Winzerelite waren entsprechend hoch. Tatsächlich produzierten einige VDP-Winzer heuer womöglich die besten Weine ihrer Laufbahn. Noch nie war die Spitze der Weine mit Wertungen von deutlich über 90 Punkten zudem so breit und auf die Erzeugnisse so vieler verschiedener Erzeuger verteilt. Doch auch die eine oder andere Enttäuschung blieb nicht aus. Wie schon in der Vergangenheit mussten wir auch dieses Jahr feststellen, dass gerade die nominell besten Jahrgänge manchen Erzeugern offenbar ungewohnte Probleme bereiten.
Die Angst vor zu hohen Alkoholgraden, wie sie im Vorfeld oft geäußert wurde, scheint dagegen in den meisten Fällen unbegründet. Im Gegenteil: unter den besten Tropfen finden sich viele mit ausgesprochen moderaten Alkoholgraden. Dicke Brummer mit deutlich mehr als 13% sind zumindest unter den Rieslingen selten. Um so mehr wundern wir uns jedoch, warum so viele Produzenten bei den Großen Gewächsen offenbar nicht auf den merklichen Restzucker verzichten wollen, der die Weine oft deutlich banaler wirken lässt, als sie eigentlich sind und ihre Eignung als Speisenbegleiter darüberhinaus erheblich einschränkt.
Wie immer probierten wir sämtliche Weine blind in unserem Verkostungsraum in Erlangen. Jeder Wein wurde von uns mindestens zwei Mal verkostet, nicht wenige standen über viele Tage immer wieder in der Probe. Diese Praxis erwies sich auch heuer wieder als notwendig: so mancher Wein zeigte erst nach einigen Tagen an der Luft, was wirklich in ihm steckt. Die bislang verkosteten Weine sind ab sofort online. Noch fehlen eine ganze Reihe von Weinen aus Ersten Lagen, da viele Produzenten heuer erst ziemlich spät abfüllten und deshalb ihre Proben erst in den nächsten Wochen nachreichen. Die Listen werden daher laufend aktualisiert. Ein ausführlicher Verkostungsbericht erscheint in wenigen Tagen im Magazin.
Interessante autochtone Rebsorten, Weinbergslagen, die zum Teil zu den höchstgelegenen Europas gehören sowie eine engagierte, vorwiegend jüngere Winzerszene, das sind aus Sicht des Weinliebhabers die hervorstechenden Merkmale der geteilten Insel im äußersten Osten des Mittelmeeres. In Westeuropa ist Zypern als bedeutendes Weinbauland eher unbekannt - dabei verfügt es über eine Jahrhunderte alte Weinbautradition und mit dem Commandaria über einen beinahe legendär zu nennenden Dessertwein. Auch heute noch sind die Süßweine oft von beachtlicher Qualität, doch inzwischen haben die trockenen Versionen gleichgezogen. Freilich bleiben auch auf Zypern moderne oenologische Methoden, internationale Rebsorten und ebensolche Geschmacksrichtungen nicht außen vor, doch erfrischend viele Produzenten besinnen sich auf ihre Wurzeln und produzieren völlig eigenständige, charaktervolle Gewächse. Für nicht wenige von ihnen ist auch neues Holz nach wie vor verpönt.
Der Jahrgang 2008 war für das Konzept der Ersten Lage so etwas wie eine Bewährungsprobe. Vor allem bei den trockenen Großen Gewächsen und - im Rheingau - Ersten Gewächsen gab es in den vergangenen Jahren immer erhebliche Qualitätsunterschiede. Noch 2006 verdiente allenfalls ein Drittel aller vorgestellten Weine die Adelung zum klassifizierten Gewächs. Der Jahrgang 2007 kehrte dieses Bild dann allerdings um und bot ein wesentlich homogeneres Bild bei insgesamt deutlich höheren Qualitäten in Spitze und Breite; lediglich das untere Drittel entsprach nicht den Anforderungen, die man an diese Kategorie stellen sollte. Doch 2007 bereitete den Produzenten auch erheblich weniger Schwierigkeiten als das von Fäulnis geprägte Vorjahr. Wie also würden die Weine ausfallen, wenn die Bedingungen wieder komplizierter wären? Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: 2008 war zwar kein Fäulnisjahrgang wie 2006, aber die Reife verzögerte sich vielerorts erheblich, und nur wer die Lese möglichst spät ansetzte und streng vorselektierte, konnte auf überzeugende Resultate hoffen. Im Ergebnis erweist sich 2008 als der Jahrgang der positiven Überraschungen. Zwar ist die absolute Spitze nicht ganz so breit, wie noch 2007, aber dafür ist die Zahl der ungenügenden Weine noch einmal gesunken. Einige Betriebe, die in der Vergangenheit eher unter ihren Möglichkeiten arbeiteten, brachten hervorragende Weine auf die Flasche. Auch stilistisch geht der Jahrgang einen eigenen Weg: die verspätete Reife und die gute Wasserversorgung ergaben ungemein ausdrucksstarke, mineralische und herkunftstypische, gleichzeitig aber für diese Kategorie ungewohnt elegante und animierende Gewächse bei oft erfreulich niedrigen Alkoholgehalten.
Wir haben alle angestellten Ersten Lagen mindestens zwei Mal in unserem Verkostungsraum in Erlangen probiert und bewertet. Einen ausführlichen Kommentar von Marcus Hofschuster und die Links zu allen verkosteten Weinen finden sie im Magazin.
Noch viel zu oft hat der Weinfreund lediglich Retsina im Kopf, wenn es um griechischen Weißwein geht. Dabei hat das Land viel mehr zu bieten. Santorin ist ein Aushängeschild für die Qualitätsrevolution der letzten Jahre in Griechenland. Vor allem aus Assyrtiko entstehen hier einerseits knochentrockene, dabei ausdrucksstarke und oft überraschend entwicklungsfähige Weißweine, die sich perfekt mit vielen Gerichten der mediterranen Küche verbinden lassen. Andererseits kommt von hier aber mit dem Vinsanto auch einer der besten Dessertweine des ganzen Mittelmeerraums. Manfred Wirbals war für Wein-Plus vor Ort.
Auch wenn sich der Name dieser geschichtsträchtigen Region von "extremos del Duero" (jenseits des Duero) ableitet, sind die Assoziationen, die man automatisch mit dem Namen Extremadura verbindet, keineswegs falsch: es ist ein Land der Extreme. Vor allem das heiße und trockene Klima macht es den Winzern schwer - und es lässt den Weinfreund vor dem ersten Kontakt mit den Weinen wohl überwiegend schwere, überreife, entweder spröde oder plumpe Tropfen erwarten. Um so überraschter waren wir, als wir die Weine der gerade einmal zehn Jahre alten DO Ribera del Guadiana probierten: die Weißen waren in der Regel frisch und süffig; unter den Roten fanden sich überraschend viele elegante Exemplare mit bisweilen eher moderatem Alkohol. Neumodisch-schokoladige, eichenholzbetonte oder schwere Rote waren deutlich in der Minderheit. Mancher Wein erinnerte uns an im positiven Sinne altmodischen Rioja, andere verfügten über eine völlig eigenständige Persönlichkeit. Sicherlich ist die positive Entwicklung hier noch lange nicht zu Ende, doch schon heute lohnt es, sich näher mit dieser bei uns fast vergessenen Weinregion näher zu beschäftigen. Wein-Plus-Autor Manfred Wirbals war vor Ort und kam mit tiefen Einblicken in eine faszinierende Landschaft, seine Geschichte und seine Weine wieder.
Südwestfrankreich als zusammenhängendes Weinbaugebiet zu betrachten ist schwierig. Zu vielfältig sind die einzelnen Regionen, die Böden, die Traditionen, Weinstile und Rebsorten, von denen viele außerhalb des Gebietes kaum bekannt sind. Um so spannender und abwechslungsreicher ist jedoch die Beschäftigung mit Frankreichs Südwesten. Die Geschichte des Weinbaus zwischen Bordelais und Pyrenäen ist lang und ruhmreich, auch wenn der einst legendäre Ruf vieler Weine heute verblasst ist. Dabei hat sich viel getan in den letzten 20 Jahren und so mancher Wein lässt heute wieder erkennen, warum man seinen Namen vor dem Bordeaux-Boom mit Hochachtung im Mund führte. Höchste Zeit also, sich mit dieser fast vergessenen Region wieder intensiver zu beschäftigen. Zum ausführlichen Magazinartikel.
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